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Woran erkenne ich, ob ich süchtig nach Social Media bin?


06. Februar 2020 – 12:07 Uhr

100.000 Jugendliche sind abhängig von Instagram & Co.

Likes, Likes und bitte noch mehr Likes! Für viele Menschen sind soziale Medien nicht mehr nur Apps, die gelegentlich zur Bespaßung geöffnet werden. Das Essen wird extra schön angerichtet, um es mit der Onlinewelt teilen zu können, Outfits werden nach Instagram-Tauglichkeit ausgewählt. Laut einer Studie der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) sind allein 100.000 der 12 bis 17-Jährigen in Deutschland abhängig von sozialen Medien – Tendenz steigend. Die Zahlen sind alarmierend. Viele rutschen in eine Social-Media-Sucht ab und bemerken ihre exzessive Nutzung erst, wenn es zu spät ist. Woran Sie erkennen, ob Sie süchtig nach Instagram & Co. sind und was Sie dagegen tun können, erklärt Kinder- und Jugendpsychiater Rainer Thomasius.

Woran erkenne ich, dass ich süchtig nach Social Media bin?

Laut Thomasius müssen drei Kriterien erfüllt werden, um von einer Abhängigkeit von sozialen Medien ausgehen zu können:

  1. Es kommt zum Kontrollverlust über die tatsächliche Nutzungsdauer. Die Betroffenen haben einen sehr starken Drang, sich ständig in den sozialen Medien zu bewegen.
  2. Andere Tätigkeiten, ob in der Freizeit, im Beruf oder bei Jugendlichen in der Schule, werden sehr stark vernachlässigt.
  3. Es kommt zu einer zunehmenden Priorisierung gegenüber anderen Lebensinhalten – die sozialen Netzwerke werden immer wichtiger.

Meist fehle bei Betroffenen die Einsicht, so der Psychiater: “Wenn Nicht-Süchtige feststellen, dass andere Interessen und vor allem reale Kontakte zu kurz kommen, reduzieren sie die Nutzung. Bei einer Abhängigkeit besteht dauerhaft der Drang, immer mehr zu surfen und in sozialen Netzwerken unterwegs zu sein.”

Wie gefährlich kann die Abhängigkeit werden?

In der Studie der DAK haben die Forscher einen Zusammenhang zwischen Social-Media-Sucht und psychischen Problemen festgestellt – jeder Dritte der befragten süchtigen Jugendlichen wies depressive Symptome auf. Thomasius fügt dem hinzu: “Wir sehen bei Betroffenen, die tatsächlich eine Abhängigkeit entwickelt haben, Schlafstörungen und dass es zu heftigen Auseinandersetzungen mit Freunden und Familie wegen des Nutzungsverhaltens kommt.”

Abgesehen davon entstehen enorme soziale Probleme: “Der Alltag kann nicht mehr richtig ausgeführt werden, Erwachsene sind im Job schnell abgelenkt und greifen zum Smartphone, Schülerinnen und Schüler schwänzen die Schule, um sich voll und ganz auf ihre Präsenz in den sozialen Medien konzentrieren zu können. Betroffene haben meist wenig Änderungsmotivation und Einsicht.”

Wer ist besonders gefährdet?

“Besonders gefährdet für einer Social-Media-Sucht sind Frauen oder Männer mit einer sehr geringen Selbstüberzeugung. Das sind Menschen mit Schwächen in der zwischenmenschlichen, realen Kommunikation, mit einem gewissen Hang zum Selbstmitleid und vor allem Selbstunsicherheit”, so Thomasius. Vor allem Jugendliche – insbesondere Mädchen – suchen online Bestätigung, um ihre eigenen Unsicherheiten zu überschatten. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern ein Auge auf die Handynutzung ihrer Kinder haben.

Das hilft gegen eine Abhängigkeit

  • Besorgen Sie sich einen analogen Wecker, damit Sie Ihr Handy über Nacht nicht im Schlafzimmer haben.
  • Stellen Sie Push-Benachrichtigungen aus.
  • Hinterfragen Sie Ihre Handynutzung immer wieder selbst kritisch.
  • Schalten Sie bei Verabredungen oder bei der Arbeit Ihr Smartphone aus oder nutzen Sie den Flugmodus, damit Sie nicht abgelenkt werden.
  • Legen Sie beim Essen Ihr Smartphone weg und konzentrieren Sie sich voll und ganz darauf. Das gleiche gilt für Dinge wie Lesen oder Spazierengehen.
  • Planen Sie sich feste Social-Media-Zeiten ein – den restlichen Tag lang sind Instagram & Co. tabu!
  • Lassen Sie Ihr Handy einfach mal zu Hause. Bei Verabredungen oder bei der Arbeit tut es auch mal gut, den digitalen Begleiter nicht dauerhaft an der Seite zu haben.



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