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Hält der Hype um den Social-Media-Darling auch in den 20ern? › Meedia


Keine Frage: Instagram war der Social Media-Star der 10er-Jahre. Kein anderes soziales Netzwerk konnte so nachhaltig wachsen und dabei seinen Coolness-Faktor verteidigen wie die 2010 gestartete Foto-App. In der neuen Dekade drohen Instagram nun jedoch die Symptome der Facebook-Müdigkeit: Das Wachstum scheint im Heimatmarkt zu erlahmen, der Hype droht zu verebben. Wie lange hält der Insta-Glamour noch?

Es sah wie eine Verzweiflungstat aus. Eine Milliarde Dollar für ein 18 Monate altes 13-Mann-Startup, das noch keinen Dollar umsetzte und in seiner Foto-App etwas anbot, was längst ein Facebook-Feature war: Wie war das zu rechtfertigen?

Was als teurer Denkzettel an das eigene mobile Entwicklerteam verstanden werden konnte, sollte sich tatsächlich schnell zu Facebooks YouTube-Moment entwickeln – zur Königsakquisition eines hippen Mitbewerbers, der einen neuen Trend besser verstanden hatte und mal eben für einen Scheck mit neun Nullen geschluckt wurde. Das war im April 2012, einen Monat vor dem Börsengang.

Instagram, Facebooks schöne junge Tochter

Knapp acht Jahre später ist klar, dass Facebook den Goldstandard der Silicon Valley-Akquisition gesetzt hatte. Unter der Obhut von Facebook und Ägide von Mark Zuckerberg, der Instagram-Gründer Kevin Systrom lange gewähren ließ, wuchs Instagram rasant und avancierte schnell zur attraktiven Tochter der zunehmend betagten Mutter.

Instagram war alles, was Facebook nicht mehr war: leicht verständlich, minimalistisch im Angebot (ein Foto für den Moment, das war’s) – und immer hipper. Und als ein anderer Anbieter ein neues, trendiges Feature etabliert hatte, wurde es nach alter Facebook-Manier schnell gnadenlos kopiert, wie das von Snapchat eingeführte Stories-Format, das im August 2016 vorgestellt und extrem schnell angenommen wurde.

Eine Milliarde Nutzer nach 8,5 Jahren

Im Februar 2013 – und damit zehn Monate nach der Übernahme – konnte der frühere Google-Mitarbeiter Kevin Systrom den ersten großen Meilenstein vermelden: den Durchbruch durch die 100-Millionen-Nutzermarke.

Fünf Jahre später folgte der Eintritt in den Club der ganz großen Netzwerke und Kommunikationsdienste: Neben Facebook selbst, dem Facebook Messenger, der anderen Großakquisition WhatsApp, konnte nun auch die beliebte Foto-App eine Milliarde Nutzer ausweisen.

Wert steigt um Faktor 200 in sieben Jahren

Die Konsequenz: Auf die Nutzerexplosion folgte das Hyperwachstum in den Erlösen und vor allem in der Bewertung. Nur zwei Jahre nach der Übernahme durch Facebook sei Instagrams Wert als eigenständiges Unternehmen bereits auf 35 Milliarden Dollar angeschwollen, rechnete die Citigroup aus.

2018 hatte sich der Wert von Instagram nach Einschätzung von Bloomberg Intelligence unterdessen weiter auf 100 Milliarden Dollar verdreifacht, ehe 2019 noch mal eine Verdopplung auf die Bewertungsmarke von 200 Milliarden Dollar erfolgte.

Instagram bereits mehr wert als Facebook?

Damit wäre Instagram singulär bereits ein Drittel von Facebook Inc., dem Gesamtkonzern inklusive WhatsApp und dem Facebook Messenger wert – und damit nach Einschätzung von Hedgefondsmanager Cody Willard unter anderer Branchenexperten mutmaßlich mehr wert als Facebook, das Netzwerk.

Die enorme Bewertung wird durch anhaltendes Hyperwachstum der Umsätze gerechtfertigt: So sollen sich die Anzeigenerlöse, die Facebook nach einzelnen Konzernbereichen nicht gesondert ausweist, zwischen 2017 und 2019 von 3,64 auf 14 Milliarden Dollar mehr als verdreifacht haben.

Peak Instagram: Wann ist das Ende des Wachstums erreicht?

Allein: Nach einer traumhaften Dekade, in der Instagram zum ultimativen Social Media-Darling aufstieg, drängt sich die Frage auf, wie lange der Traumlauf noch weitergehen kann – schließlich hat jede Zielgruppe und jeder Hype-Zyklus seine Halbwertszeit.

Gemessen an der Umsatzentwicklung scheint ein Ende des Booms nicht in Sicht: Nach Analystenschätzungen dürften Instagrams Erlöse 2020 weiter um knapp 60 Prozent auf bereits 22 Milliarden Dollar anziehen und damit schätzungsweise bereits ein Viertel der Gesamtumsätze von Facebook Inc. generieren.

Nutzerwachstum in den USA erlahmt

In der Nutzerentwicklung jedoch scheint zumindest im Heimatmarkt das Wachstumspotenzial weitgehend ausgereizt. Wie der Marktforscher eMarketer zu Jahresbeginn herausgefunden haben will, ist Instagrams Nutzerzuwachs in den USA 2019 deutlich von 10,1 Prozent im Vorjahr auf nunmehr 6,7 Prozent zurückgegangen.

Und es wird nicht mehr besser: Bis 2023 soll der Nutzerzuwachs auf dem Heimatmarkt mit einem Plus von 1,8 Prozent fast zum Erliegen kommen. Der Hauptgrund: Das immer noch hippe Foto-Netzwerk lockt, anders als Mutterkonzern Facebook, nicht genug ältere Nutzer an.

Neue Konkurrenz durch Snapchat und TikTok

Doch auch am entgegengesetzten demografischen Ende droht Ungemach: Zum einen feiert Snapchat nach zwei schwierigen Jahren zuletzt ein ungeahntes Comeback und dürfte von den großen Social Networks wieder am stärksten wachsen, zum anderen tritt mit der boomenden Teenie-App TikTok immer nachdrücklicher ein ganz neuer Player auf.

Die Hauptprofiteure des Instagram-Booms könnten indes das Ende des Goldrausches als Erste zu spüren bekommen. Die heiß gelaufene Influencer-Industrie, die 2020 erstmals Erlöse von 10 Milliarden Dollar erzielen soll, dürfte die aktuell laufenden Tests, auf die Anzeige von Likes unter den Post zu verzichten, mit Sorge verfolgen, wie die “Financial Times” berichtet.

So voreilig es derzeit erscheint, ein Ende des Instagram-Booms zu erklären, so steht doch zumindest fest: Irgendwann in den 20er-Jahren wird auch Instagram als altes Netzwerk gelten – als eingestaubte Millennial-Variante von Facebook.

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